Rezensionen

Dr. Heribert Brinkmann, Kunsthistoriker,
zur Ausstellungseröffnung im Landtag NRW, Düsseldorf

„Wer den Blick über die Bilder dieser Ausstellung schweifen lässt, stellt schnell fest, dass die Frau als Thema im Mittelpunkt steht. Renate Linnemeier sieht die Frauen in ihren Bildern nicht als Spiegelungen ihrer selbst, sondern als Reflexionen über das Frausein. Wir sehen eine lebenslustige Frau im roten Kleid, das auf andere feiernde und tanzende Menschen zugeht, wir erblicken ebenso eine junge Frau im blauen Kleid, die alleine an eine Wand gelehnt auf dem Boden sitzt, vielleicht erschöpft, vielleicht traurig, verlassen oder bloß nachdenklich. Sie merken, wie diese Bilder Gedankenprozesse auslösen, die Denkmaschine beginnt zu rattern und wir denken uns Geschichten zu diesen Bildern aus. Und meistens haben diese Geschichten mit Gefühlen, mit Emotion, zu tun, wir fühlen uns in diese Figuren und Bilder ein.

Der Betrachter bleibt sich aber immer bewusst, dass es Fiktionen sind, keine Fakten. Denn Renate Linnemeier hat ihre Bilder so verfremdet, dass die Illusion nie perfekt sein kann. Sie klebt Wellpappestücke ins Bild oder einen Ausriss aus einer alten Tapete oder einem Buch, das sie bei den Bouquinisten am Seine-Ufer in Paris erstanden hat. Wir können nie vergessen, dass es sich bloß um eine Fläche mit Farben handelt. Die Zusammenhänge im Bild führen zu Geschichten, wirken wie Rätselbilder, die wir jeden Tag neu und anders lösen. Gerade, wie wir emotional drauf sind. Die Künstlerin bringt im Atelier Erdachtes, Erlebtes und Verfremdetes in ihre Bildwelt ein. Der Betrachter ebenso und so entsteht etwas völlig Neues. Und trotzdem ist das überhaupt nicht abgehoben, sondern mit beiden Beinen am Boden. Die Künstlerin arbeitet mit Wellpappe, Steinmehl, Kokosfasern, sie arbeitet mit Farbpigmenten, Acryl- und Ölfarben. Sie sprüht mit Schablonen, kratzt und schabt den Farbauftrag teilweise wieder ab. Sie kombiniert alt und neu, sie sortiert die Materialien der Überflussgesellschaft neu, bringt für sich eine Ordnung ins Chaos der Gedanken und gibt uns Inspirationen, in die Bildwelt einzutauchen und dort unsere eigenen Geschichten zu finden.“
Dr. Heribert Brinkmann, Kunsthistoriker

 

Kunsthistorikerin Dr. Carola Gries,
Einführung Ausstellung RomaNEum,Neuss

 „Renate Linnemeier und HOLT sind schon so bekannt, dass ich mich scheue, sie hier ausführlich vorzustellen. Ein paar Worte sollen aber erlaubt sein…Beide Künstler haben ihr Atelier im Neusser Atelierhaus „Hansa9“. Vergleicht man ihr bisheriges Oeuvre, so fällt auf, dass die Verbindung der unterschiedlichsten Materialen und Techniken geradezu ein Markenzeichen der beiden Künstler ist, die ihre Experimentierfreude und ihren Ideenreichtum gerne auch in Werkreihen ausdrücken.
Der Ausstellungstitel „En passant“ soll nun die besondere Leichtigkeit des gemeinsamen Arbeitens betonen. Der französische Ausdruck wird im Deutschen für Tätigkeiten verwendet, die nebenher, ohne viel Aufwand erledigt werden und tatsächlich beschreiben die beiden das unkomplizierte Miteinander und die gegenseitig gewährten Freiräume als ein besonderes Glück…

Renate Linnemeier feiert mit ihrem Werk die Lebensfreude und die Schönheit, die sie auch in unerwarteten Zusammenhängen findet. Ihre Bilder haben oft poetische und verträumte Züge…
Die drei Mauerbilder im extremen Querformat wurden von beiden in intensiver Zusammenarbeit gemeinsam erarbeitet. Die Bilder wanderten zwanglos immer wieder von Atelier zu Atelier, und wurden nach Absprache abwechselnd ergänzt und verändert. Jeder musste auf die jeweils vorgefundene Situation neu reagieren, bis beide mit dem Ergebnis zufrieden waren. Auch wenn die Bilder wie Collagen aussehen und auch collageartige Elemente besitzen, sind sie vor allem gemalt. Die Serie zeigt Mauern, auf denen die Zeit Spuren hinterlassen hat, die sich überlagern, ergänzen und kommentieren. Es ist sicher kein Zufall, dass man unwillkürlich an das weltweit größte Werk der Streetart, nämlich die Berliner Mauer erinnert wird. …“

Kunsthistorikerin Dr. Carola Gries

 
Gabriele Bundrock-Hill M.A., Kunsthistorikerin,
Erföffnungsrede Art in Business auf der Kö, Düsseldorf

„Im Rahmen der Ausstellungsreihe werden in einer Gemeinschaftsausstellung aktuelle Exponate von Renate Linnemeier und HOLT vorgestellt. Beide zählen zu den Künstlern in Neuss, die nicht nur dort durch beachtenswerte Aktionen und ihr sich immer wieder anders erfindendes Werk auf sich aufmerksam machen. Zahlreiche bildnerische, graphische und bildhauerische Objekte der Künstler befinden sich im In- und Ausland in öffentlichem und privatem Besitz. Beide haben ihren Arbeitsplatz im „Atelierhaus Hansa 9“ am Neusser Hafen, einem nur auf den ersten Blick trostlosen Areal, denn sie finden hier eine Atmosphäre vor, in der sich Kunst und Umgebung gegenseitig beeinflussen. Bewährt auch immer wieder im Team – greifen Renate Linnemeier und HOLT hier Impulse auf, von deren Wirkung und Auswirkung auf ihr Schaffen sie sich ähnlich leiten lassen. Künstlerisches Environment, Intuition, Phantasie und Kreativität haben für diese Ausstellung fundamentale Denkanstöße nach sich gezogen. Im übertragenen Sinne entspricht die Ausstellung in diesen Räumen der gedanklichen antiken Vorstellung, sich das Gedächtnis als einen Speicher vorzustellen, in dem alles jemals Erlebte und Gedachte in Form von Gegenständen abgelegt werden könnte, um es zu jeder Zeit wieder hervorzuholen.

…bei Renate Linnemeier lenkt der Farbauftrag das für sie charakteristisch Experimentelle und Manipulierende des jeweiligen Werkprozesses ein, wird ein stets farbharmonischer Bildraum diffus in weichen verwaschenen Übergängen gestaltet, und ist der Bildhintergrund spannender Austragungsort für Collagen und ihr prozessorientiertes Mixed Media-Verfahren. Die eigenen biografischen Fundstücke neben bestimmten Elementen, die immer wieder von ihr zitiert werden, – wie der Abdruck einer Schablone, häufig eines Vogels oder die weibliche Silhouette, angedeutet, scherenschnittartig umrissen oder aufgesprüht, definieren dabei diesen zumeist imaginären Bildraum …Einen ganz eigenen Mittelpunkt innerhalb ihrer hier zusammengetragenen Werke markieren die „Zaungäste und andere schräge Vögel“. Sie wurden aus entsorgten unbehandelten Holzpaletten am Neusser Hafen entwickelt. Mit ihrem ganz eigenen Charme aus dieser Verbindung von Kunst und Recycling heraus entstanden, präsentieren sie wichtige und unbedeutende Persönlichkeiten aller Epochen, aber auch Phantasie- und Märchengestalten, von denen jede ihre eigene Geschichte erzählen könnte. Nofretete, Platon oder der deutsche Gartenzwerg, – sie alle wurden aus der Patina des maserierten Holzes in ihrer „Einzigartigkeit“ herausgestellt. Als Souvenirs der Zeitgeschichte oder einfach der künstlerischen Vorstellungsgabe entwachsen, verkörpern sie, ausgestattet mit passenden Accessoire, eine schräge „Melange“ aus Kleinbürgertum und Weltbürgerlichem, Zeitgeistlichem und Kulturgut, – einen denkwürdigen, humorvollen multikulturellen Querschnitt durch Gesellschaft und Geschichte.“

Gabriele Bundrock-Hill M.A.; Kunsthistorikerin

 
Pr. Dr. Peter Michael Lynen, Kanzler der Kunstakademie Düsseldorf,
Einführung Galerie am Golfclub, Meerbusch

„Sie experimentiert mit Materialien, Farben und Formen, reduziert, abstrahiert. Es entstehen imaginäre Räume, hinter der abstrahierten Oberfläche befindet sich eine andere Wirklichkeit…  Erfinden Sie eine Tür durch die Sie in diese Räume eintreten können…“

Pr. Dr. Peter Michael Lynen, Kanzler der Kunstakademie Düsseldorf

 
Gabriele Bundrock-Hill M.A., Kunsthistorikerin,
Ausstellungseröffnung Glasgalerie im Kulturhaus, Dormagen

„Durch die Vorstellungskraft ihrer eigenen inneren Bildwelt hat sich die Künstlerin von der unmittelbaren Vorlage entfernt, um ihre charakteristischen Landschaften zu gestalten… Ein starkes Medium ist hier die Farbe, die über alle in Form gesetzte Grenzhaftigkeit hinaus Transzendenz heraufbeschwört…oft ist es ein Ton zwischen „Gelb und Ocker, um als „nächste Farbe am Licht“ (Goethe) sphärische Farbklänge im Bild zu erzeugen…“

Gabriele Bundrock-Hill, Kunsthistorkerin M.A.